
Wie du dich auf eine psychedelische Erfahrung vorbereiten kannst
Eine psychedelische Erfahrung ist kein Zufallsmoment, sondern ein bewusster Schritt.
Je klarer du dich vorbereitest, desto sicherer, tiefer und stimmiger kann dein Prozess werden.
Ich begleite nur Prozesse, in denen die Vorbereitung, die Erfahrung selbst und die Integration bewusst und verantwortungsvoll durchlaufen werden.
1. Inneres Ja & Mindset
Bevor es um Ernährung, Alltag oder Tools geht, steht etwas anderes an erster Stelle:
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Du brauchst ein inneres Ja – kein „Vielleicht“, kein „Ich sollte mal“, kein Druck von außen.
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Dieses Ja ist dein innerer Anker, wenn es intensiv wird.
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Du bist bereit, Eigenverantwortung für deine Erfahrung zu übernehmen.
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Du bist dir bewusst, dass eine psychedelische Erfahrung bedeutet, Kontrolle ein Stück weit abzugeben und dich inneren Prozessen zu öffnen, die du nicht komplett steuern kannst.
Fragen zur Selbstklärung (z. B. im Journal):
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Warum ruft mich diese Erfahrung gerade jetzt?
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Bin ich bereit, mich dem zu stellen, was sich zeigen könnte – auch wenn es unbequem wird?
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Was wünsche ich mir tief in meinem Inneren – nicht als Ergebnis, sondern als Richtung?
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Fühlt sich das Ja in mir ruhig und klar an – oder eher hektisch, getrieben, verzweifelt?
Wenn dein „Ja“ eher aus Flucht, Druck oder Verzweiflung entsteht, ist es oft noch nicht der richtige Moment. Dann ist Stabilisierung zuerst wichtiger als Intensivierung.
2. Äußere Vorbereitung – dein Alltag vor der Erfahrung
Die Vorbereitung beginnt nicht erst im Vorgespräch – sie beginnt in deinem Alltag.
Was du vor der Erfahrung reduzieren oder weglassen solltest (wenn möglich):
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Alkohol & andere Drogen
Möglichst 1–2 Wochen vorher stark reduzieren oder weglassen. Sie betäuben dein System und erschweren eine klare, saubere innere Erfahrung.
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Übermäßiger Medienkonsum / Social Media
Dauerbeschallung hält dein Nervensystem in Alarmbereitschaft.
Versuche, gerade in der Woche vor der Erfahrung:
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weniger zu scrollen
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keine extremen Nachrichten-/True-Crime-/Trigger-Inhalte zu konsumieren
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dein Nervensystem nicht zusätzlich zu stressen
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Chaotischer Schlafrhythmus
Schlaf ist Nervensystemregulation. Versuche, in den Tagen davor:
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möglichst regelmäßig zu schlafen
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nicht dauerhaft übermüdet in die Erfahrung zu gehen
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Dauerstress & „Vollballern“ des Kalenders
Plane dir bewusst kleine Inseln der Ruhe ein:
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Pausen
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Spaziergänge
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stille Momente ohne Input
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(Und wie immer: Medizinische Fragen, Medikamente, körperliche Vorerkrankungen bitte immer mit Ärzt:innen und Therapeut:innen besprechen.)
3. Was du vor der Erfahrung aktiv tun kannst
Journaling & Intention
Nutze die Zeit vorher, um dich innerlich zu klären. Zum Beispiel:
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Was ist mein tiefstes Anliegen für diese Erfahrung?
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Welche Themen tauchen immer wieder in meinem Leben auf?
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Welche alten Muster möchte ich besser verstehen oder loslassen?
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Welche Qualitäten möchte ich mehr in mein Leben einladen (z. B. Vertrauen, Würde, Klarheit, Selbstliebe)?
Wichtig:
Eine Intention ist eine Ausrichtung, kein Wunschzettel.
Du bittest die Erfahrung sozusagen: „Zeig mir, was ich sehen darf, damit ich diesen Weg gehen kann.“
4. Nervensystem & Körper – einfache tägliche Tools
Schon in der Vorbereitung kannst du dein Nervensystem darauf „einstimmen“, innere Prozesse zu halten:
1. Tägliche Körperwahrnehmung (5–10 Minuten)
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Setz dich oder leg dich hin.
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Spüre nacheinander: Füße, Beine, Becken, Bauch, Brust, Schultern, Hände, Gesicht.
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Benenne innerlich: warm, kalt, kribbelnd, leer, Druck, neutral…
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Es geht nicht darum, etwas zu ändern – nur darum, wahrzunehmen.
2. Einfacher Atemanker
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Atme ein wenig tiefer ein als sonst.
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Ausatmung etwas länger als Einatmung.
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Zum Beispiel: 4 Sekunden ein – 6 Sekunden aus.
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Mach das 3–5 Minuten, wenn du merkst, dass du unruhig bist.
3. Orientierungsübung
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Schau dich im Raum oder draußen um.
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Benenne still: „Ich sehe… die Pflanze, das Fenster, den Tisch…“
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Spüre deine Füße am Boden.
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Das hilft dir, im Hier & Jetzt anzukommen – ein wichtiges Tool auch während der Erfahrung.
4. Ressourcen sammeln
Überlege dir schon vorher:
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Welche Menschen tun mir gut?
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Welche Musik berührt mein Herz, ohne mich zu überfluten?
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Welche Orte fühlen sich sicher an (Wald, bestimmte Ecke deiner Wohnung,…)?
Diese Ressourcen können vor, während und nach der Erfahrung wichtig werden.
Während der Erfahrung – innere Haltung & Selbst-Unterstützung
(auch wenn dein Fokus jetzt auf Vorbereitung & Integration liegt, ist dieser Teil oft wichtig als Brücke)
Wichtige Grundsätze, die du dir merken kannst:
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Alles, was auftaucht, darf da sein.
Gefühle, Bilder, Körperreaktionen – sie sind Ausdruck deines Inneren.
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Du musst nichts „leisten“ oder „gut machen“.
Es gibt kein Richtig und Falsch in deinem inneren Erleben.
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Atmung & Körper sind deine Anker.
Wenn es intensiv wird:
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spüre den Boden
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halte ein Kissen
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spüre deine Hand auf deinem Herzen oder deinem Bauch
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kehre zu deiner Atmung zurück
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Du darfst in Kontakt gehen.
Wenn du begleitet bist, ist es okay zu sagen:
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„Es wird gerade viel.“
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„Ich brauche, dass du einfach da bist.“
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„Ich bin unsicher.“
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Es geht nicht darum, „stark“ zu sein – sondern ehrlich und in Kontakt.
Integration – wie du die Erfahrung in dein Leben holst
Die Integration beginnt direkt nach der Erfahrung und kann Wochen oder Monate dauern.
1. In den ersten 24–72 Stunden
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Halte dein Umfeld ruhig und reizarm, so gut es geht.
Kein voller Terminkalender, keine emotional aufgeladenen Gespräche aus Pflichtgefühl.
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Viel Wasser, leichte Nahrung, Schlaf & Ruhe.
Dein Körper arbeitet innerlich, auch wenn du „nur da sitzt“.
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Wenn möglich: Naturzeit
Ein Spaziergang, Bäume, Himmel, Erde – Natur reguliert und hilft zu verdauen.
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Kein Alkohol, keine Drogen, möglichst wenig Social Media.
2. Journaling & Nachspüren
Setz dich in den Tagen danach mehrmals ruhig hin und schreibe:
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Was erinnere ich?
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Was hat mich am meisten berührt – emotional, körperlich, geistig?
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Welche Sätze, Bilder oder Erkenntnisse sind hängen geblieben?
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Was fühlt sich jetzt anders an – in mir, in meinen Beziehungen, in meinem Körper?
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Was möchte ich in meinem Leben konkret verändern?
Es muss kein schöner Text sein. Es ist ein Dialog mit dir selbst.
3. Den Körper einbeziehen
Integration findet nicht nur im Kopf statt, sondern im Körper und Nervensystem:
Mögliche Tools:
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Sanfte Bewegung:
Spaziergänge, Yoga, Dehnen, achtsames Bewegen – nicht leistungsorientiert.
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Schütteln / „Shaking“:
Leichtes Schütteln des Körpers hilft, Restspannung zu lösen (wie Tiere nach Stress).
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Berührung & Halt (Selbst- oder Co-Regulation):
Hand auf Herz oder Bauch, dich in eine Decke einhüllen, dich anlehnen – spüren: „Ich bin da.“
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Kreativer Ausdruck:
Malen, Kritzeln, Tanzen, Tönen, Schreiben – nicht, um etwas Schönes zu produzieren, sondern um dem Inneren Form zu geben.
4. Beziehungen & Sharing
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Wähle bewusst, mit wem du über deine Erfahrung sprichst.
Nicht jede Person kann innere Prozesse halten oder verstehen.
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Manchmal ist es heilsamer, zunächst mit einer therapeutischen Begleitung oder einer vertrauten, reifen Person zu teilen, bevor du es „in die Runde wirfst“.
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Du musst nichts erklären oder rechtfertigen. Deine Erfahrung ist deine.
5. Konkrete Schritte im Alltag
Integration heißt auch:
Innere Erkenntnisse werden zu äußeren Entscheidungen – aber in deinem Tempo.
Fragen, die du dir stellen kannst:
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Gibt es eine kleine, konkrete Veränderung, die ich jetzt angehen möchte?
(z. B. mehr Ruhezeiten, andere Grenzen setzen, ehrlichere Gespräche, weniger Selbstüberforderung)
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Was braucht mein Körper jetzt regelmäßig?
Schlaf, Bewegung, Ernährung, Berührung, Natur?
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Welche Situationen oder Menschen tun mir nicht gut – und welchen kleinen Schritt kann ich heute gehen, um mich besser zu schützen?
Wichtig:
Keine vorschnellen, radikalen Entscheidungen direkt nach der Erfahrung, wenn möglich.
Gib dir Zeit, mindestens einige Tage oder Wochen, bevor du ganz große Weichen stellst.
6. Integrationsgespräche
In meiner Arbeit gehört zur Integration:
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Raum, um die Erfahrung zu erzählen – in deinem Tempo
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behutsames Sortieren dessen, was sich gezeigt hat
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Verstehen, wie die Bilder, Emotionen und Körperreaktionen mit deiner Geschichte zusammenhängen
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gemeinsam schauen, welche nächsten stimmigen Schritte sich daraus ergeben
Du musst den Weg nicht allein sortieren.
Manches zeigt sich erst im Gespräch.
Zusammenfassung – dein Beitrag & meine Begleitung
Was du selbst tun kannst, damit eine Erfahrung getragen & integriert wird:
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Ein klares inneres Ja finden
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Eigenverantwortung übernehmen
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Alltag vor der Erfahrung entschleunigen
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Medien, Alkohol & Betäubungsstrategien reduzieren
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Körper- & Nervensystemübungen einbauen
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Nach der Erfahrung: Ruhe, Natur, Journaling, sanfte Bewegung, bewusste Beziehungen
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Dir Zeit geben – und nicht alles sofort bewerten
Was ich mitbringe:
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einen sicheren Rahmen
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traumasensible, körperorientierte Begleitung
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klare Struktur: Vorbereitung – Erfahrung – Integration
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Erfahrung mit tiefen Prozessen und frühen Verletzungen
Ich begleite nur Prozesse, in denen all diese Phasen bewusst, klar und verantwortungsvoll vereinbart sind.
Weil deine Erfahrung es verdient, nicht nur intensiv – sondern gut gehalten und nachhaltig zu sein.